Black Carpet – the multigenerational home
Als Lückenschluss unweit des Bayreuther Festspielhauses füllt das Mehrgenerationenhaus nicht nur eine städtebauliche Leerstelle, sondern formuliert zugleich eine zeitgemäße Haltung des Zusammenlebens. An einer markanten Ecke, in unmittelbarer Nähe zum Festspielpark, entsteht ein gemeinschaftliches Haus für drei Generationen einer Familie – ergänzt um eine Wohneinheit für eine Pflegeperson. Sechs Wohneinheiten sind unter einem Dach vereint; eigenständig organisiert, bewusst nah beieinander.
Der Baukörper übersetzt den historischen Kontext in eine zeitgenössische Architektursprache. Ein kompakter Baukörper bildet das konstruktive Rückgrat des Hauses. Um ihn legt sich eine dunkle Hülle aus schwarzem Metall, deren variierende Stehfalzabstände dem Volumen Tiefe und Maßstab verleihen. Die Giebel aus naturbelassenem Holz setzen einen warmen Kontrapunkt zur dunklen Fassade und lassen den konstruktiven Ursprung sichtbar. Die Photovoltaikanlage ist in das Satteldach integriert und Teil eines zurückhaltenden, aber wirksamen Gesamtenergiekonzepts.
Im Inneren ist das Haus um das Prinzip der beiläufigen Begegnung organisiert. Das gemeinsame Treppenhaus fungiert als sozialer Raum: kein Verkehrsrest, sondern Ort des kurzen Gesprächs, des zufälligen Treffens und der täglichen Abstimmung zwischen Generationen. Von hier aus erschließen sich die einzelnen Wohneinheiten, die klar gegliedert und auf unterschiedliche Lebensphasen abgestimmt sind – von schulpflichtigen Kindern über Eltern bis zu Großeltern. Jede Wohnung bietet einen eigenen Rückzugsort; Gemeinschaft entsteht nicht durch Zwang, sondern durch Nähe.
Fast jede Wohneinheit verfügt über eine eigene Loggia oder Terrasse und erweitert den Wohnraum ins Freie. Die Hauptwohnung bildet den räumlichen Höhepunkt des Hauses: Ein privater Dachgarten ist hier als Pflanzengarten ausgebildet und schafft einen ruhigen Gegenpol zur Stadt. Eine ausgeschnittene Loggia vermittelt zwischen Innenraum und Garten und öffnet den Blick über die Dächer Bayreuths.
Das Mehrgenerationenhaus versteht sich nicht als nostalgisches Modell familiären Zusammenlebens, sondern als robuste, alltagstaugliche Typologie. Es verbindet architektonische Klarheit mit sozialer Dichte, handwerkliche Materialität mit zeitgemäßer Nachhaltigkeit – und zeigt, dass Nähe eine hohe räumliche Qualität sein kann, wenn sie gut geplant ist.





















